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Parkplatzbeweiner

Die Parkplatzbeweiner.
Die Parkplatzbeweiner. Sie trauern um das, was ihnen am liebsten ist.

Alles ist vergänglich, auch der geliebte Parkplatz – vor der eigenen Haustüre und vor dem Fitnessstudio. Im Trauermonat November spüren die Autofahrerinnen und Autofahrer die Unsicherheit des Daseins besonders intensiv. Im Anblick der finsteren Straßenränder, an denen kein Blech mehr ein Zuhause hat, vergießen sie bittere Tränen.
Wo Parkplätze vernichtet wurden, sind sie da: Die Parkplatzbeweiner.

Besonders bitter vom Schicksal heimgesucht ist Hamburg, die stolze Stadt, die einst der Sturmflut trotzte. Florian Quandt von der Morgenpost hat ein apokalyptisches Parkplatzmassaker am eigenen Leib erfahren:

Viele Parkplätze fallen weg, Bäume werden gefällt, eine Busspur und ein Radweg entstehen – dabei wäre auf beiden Seiten genug Platz, um die bestehenden Rad- und Fußwege besser zu nutzen, ohne ein Parkplatz-Massaker anzurichten

Hamburger Morgenpost

Erst stirbt der Parkplatz – dann der Mensch

Die Parkplätze wurden massakriert, und damit auch die Bäume. Es ist alles ganz fürchterlich. Die Menschen irren wie Zombies umher, sie beißen ins Lenkrad und viele umkreisen immer wieder und wieder ihre verlorene Autoheimstätte, bis zum letzten Tropfen Diesel. Den Soundtrack zur verzweifelten Suche liefert das Autoradio, wo Herbert Grönemeyer in einer Endlos-Schleife dröhnt.

Ich drehe schon seit Stunden, hier so meine Runden

Herbert Grönemeyer: Parkplatz-Mambo

Die gequälten Autofahrer flehen ein letztes, vergebliches Mal um den Parkplatz-Segen des Heiligen Christophorus, bevor sie entkräftet zusammenbrechen. Die Wirtschaft der Hansestadt liegt darnieder, die meisten Wohnungen sind aufgegeben. Die Parkplatz-Vernichtung hat die Suizidquote dramatisch ansteigen lassen.
Erst stirbt der Parkplatz – dann der Mensch.

Parkplatzbeweiner und Parkplatzbeweinerinnen sind besonders sensible Menschen. Mit dem Parkplatz haben sie auch den Platz in ihrem Leben verloren. Gehen Sie deshalb behutsam mit ihnen um. Psychologen raten:
Bieten Sie sich zum Gespräch an, am besten sitzend in einem SUV auf einem Großparkplatz am Stadtrand, wo die Welt noch in Ordnung ist. Legen sie den Kopf des Parkplatzbeweiners in den Seitenairbag, dort fühlt sich der Beweiner geborgen wie ein Kind  im Schoße seiner Mutter. Rufen Sie in Notfällen einen zertifizierten Seelsorger des ADAC.

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2 Gedanken zu „Parkplatzbeweiner

  1. Wenn ich solche Beiträge finde, weiß ich, warum ich auf Twitter bin! Danke, jetzt verstehe ich endlich, warum hier (ich wohne etwas „außerhalb“) so viele SUVs mit traurig aussehenden Gestalten drin rumstehen!
    Schönen Feiertag!

    1. Hallo Regenfrau,
      ohne die Twitter-Fahrradblase wäre ich auch schon wahnsinnig geworden. Vielleicht klappt es ja zu einem Twitter-Meetup bei der Berliner ADFC-Sternfahrt 2019… bin aber auch für andere Orte und Termine offen.
      Grüße,
      Bernd

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