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Autostadt Riad

Impression aus der Autostadt Riad. Bild: Von Diken81 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Viele Autofahrer sind von den frechen Ansprüchen der Radler total genervt. Sie wünschen sich die Siebziger Jahre zurück – die paradiesische Zeit, in der die deutschen Städte autogerecht umgestaltet wurden. Wer heute noch wissen will, wie schön es damals bei uns war, sollte einen Flug nach Riad buchen, der Hauptstadt von Saudi-Arabien. Dort haben Radfahrer nichts zu melden, und Radfahrerinnen noch weniger. Die Religionspolizei hat nämlich eine Fatwa erlassen, die Frauen mit Vorschriften vom Radeln abhält.

Autoparadies Riad

Saudi-Arabien ist, gelinde ausgedrückt, ein abgeschottetes Land mit eigenen Spielregeln. Doch der religiöse Fanatismus und die Machtspiele in der Ölregion sollen hier auf der Radkolumne ausgeklammert werden.
Zurück zur Verkehrspolitik. Auskünfte darüber, wie die Bürger in der 6-Millionen-Metropole Riad von A nach B kommen, gibt die offizielle Regierungsseite. Die Prioritäten sind ganz klar gesetzt. Erst kommt das Auto, dann das Auto, dann das Auto. Mitten durch die Stadt wurde die King Fahd Road gebaut:

Die  Straße ist 95 Meter breit. Einen großen Teil nimmt der 40 Meter breite, offener Tunnel ein, der sich der etwa 8 Meter unter die Erdoberfläche befindet. Jede Fahrspur hat drei Spuren in beiden Richtungen sowie zwei 15 Meter breite Nebenstraßen auf beiden Seiten. Die Servicestraßen können bis zu drei Fahrspuren aufnehmen, wodurch sich die Gesamtzahl der Spuren in der Nähe von Kreuzungen erhöht.

Quelle: Riad Development Authority (eigene Übersetzung)

Leben und Sterben in Riad

Die Auswirkungen dieser Verkehrspolitik beschreibt ein deutscher Rettungssanitäter im Nachrichtenmagazin Spiegel. Die Raser- und Poserszene fordert ihre Opfer:

Dicke Autos sind zudem oft das einzige Hobby der jungen Männer […] Was es gibt, ist die Ring Road, einen Highway, der um die Stadt Riad herumführt. Dort gehen diese Leute driften, und irgendwann überschlägt sich eben einer. Dann haben Sie fünf, sechs Tote auf dem Highway liegen.

Quelle: Spiegel Online, 10.6.2014

Was auffällt: Noch niemals haben sich die konservativen Kräfte in Deutschland, sprich FDP, CDU und AFD, Riad als positives Beispiel für ihre verkehrspolitischen Ziele benannt. Dabei wurde dort doch alles umgesetzt, was die Herzen der Autofahrer höher schlagen lässt. Auf 12-spurigen Straßen und städtischen Ringautobahnen kann der Verkehr gut abfließen, oder etwa nicht?
Wir Radfahrer haben es da viel einfacher. Wir sind keine Utopisten. Wir kennen Städte, deren Verkehrssystem kaum noch Tote produziert.  Wir verweisen ganz locker auf Amsterdam, Kopenhagen und Utrecht.

Radfahren in Riad? Und dann auch noch als Frau? Ja, im konservativsten Land der Welt existiert tatsächlich ein weiblicher Fahrradclub, die Heldinnen nennen sich Bisklita. Die saudisch-arabische Regisseurin Haifaa al Mansour hat den mutigen Frauen von Riad einen beeindruckenden Film gewidmet: Das Mädchen Wadjda erzählt die Geschichte eines 11-jährigen Mädchens. Wadjda, die in einem konservativen Elternhaus aufwächste, wird jeden Tag mit einem riesigen Pick-up in die Schule gefahren. Ihr größter Wunsch: Sie möchte sich ein Fahrrad kaufen.

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