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12 Radfahrer-Typen

Welcher Radfahrtyp bin ich?  Bild: Deutsche Fotothek. CC BY-SA 3.0. Wikimedia Commons

Helden sind sie alle, die Radfahrerinnen und Radfahrer.  Aber man darf nicht alles über einen Kamm scheren, was sich in den Sattel schwingt, denn dafür sind die Charaktere  viel zu unterschiedlich. Eine kleine Übersicht der 12 wichtigsten und witzigsten Radfahr-Typen:

1. Der Urban Fighter

Er ist der Schrecken der Autofahrer. Ausschließlich in der Großstadt anzutreffen ist der Kampfradler, der Urban Fighter. Sein Motto: Ich bremse nicht. Staus sind für den Urban Fighter eine Challenge, besonders wenn er sich als Fahrradkurier seine Brötchen verdient. Je dichter der Verkehr, desto trickreicher erkämpft er sich gegenüber den Autos seinen Platzvorteil. Ampeln und nicht für Fahrräder freigegebene Einbahnstraßen ignoriert er gelegentlich.  Bettelampeln empfindet er als persönliche Beleidigung. Der Urban Fighter bringt sich und andere in brenzlige Situationen und macht auch vom Mittelfinger Gebrauch. Allerdings ist er sich, wie die Defense-Queen, der Gefahren sehr bewusst.

2. Die Defense-Queen

Die im Stadtkehr heimische Defense-Queen ist der Gegenentwurf zum Urban Fighter. Sie hält sich an alle Regeln, auch wenn Sie deshalb ständig warten und absteigen muss. Häufig anzutreffen ist die Defense-Queen als Leiteinheit eines Mama-Kind-Gespanns, in unterschiedlichen Variationen. Der Nachwuchs der Defense-Queen befindet sich auf dem Kindersitz, im Kinderanhänger oder mit dem eigenen Fahrrad auf dem Bürgersteig.
PS: Natürlich sind auch Defense Kings unterwegs – umsichtige Väter mit Nachwuchs.

3. Die Selbstbewusste

Die Selbstbewusste kennt die Straßenverkehrsordnung  und pocht auf die Einhaltung. Sie lässt sich nicht in Dooringzones drängen und verpatzt den Eng-Überholern die Gelegenheit, indem sie in der Mitte der Straße fährt. Wichtige Accessoires sind für Herren die Airzound-Hupe, für Damen die Poolnudel. Selbstbewusste fahren in der Fahrradstraße auch gerne nebeneinander, um sich in Ruhe zu unterhalten – sehr zum Ärgernis von Autofahrern, die noch Nachhilfe zu den Verkehrsregeln benötigen.

4. Der Hollandradler

Hollandradler sind gemütliche Gesellen, denn sie haben Zeit. Anzutreffen sind sie im suburbanen Freizeitverkehr. Was sie auszeichnet, ist ihre langsame Fahrweise. Ausschließlich in Grünanlagen und Naherholungsgebieten heimisch ist der Hollandradler mit Hund an der Leine. Falls Sie einem Hollandradler begegnen, halten Sie genügend Abstand und erschrecken Sie ihn nicht. Tipp: Der Hund ist zwar nicht gefährlich, aber umso mehr die Leine!

5. Der Umsteiger

Der Umsteiger ist ein Neu-Radfahrer, sprich ein ehemaliger Autofahrer. Anzutreffen ist er in Vorstädten und auf Velorouten. Der Umsteiger im Alter von 60+ fährt ein Pedelec. Als gelernter Automobilist verlässt er sich darauf, dass ihn Helm, Warnweste und die Verkehrsordnung schützen. Für dieses Vertrauen zahlt der Umsteiger einen hohen Blutzoll. Deutlich weniger gefährdet ist der professionelle Umsteiger. Er besucht zunächst einen Kurs, bevor er sich nach jahrzehntelanger Fahrrad-Abstinenz in den Sattel schwingt.

6. Der Fahrrad-Geek

Der Fahrrad-Geek ist auf Vorstadt-Radwegen und im Gelände heimisch. Er ist der Freund jedes Fahrradhändlers. Sein limitiertes Modell stammt aus einer heimischen Fahrradmanufaktur, aber als Sattel kommt aber natürlich nur ein Brooks in Betracht. Gut aufgeteilt hat der Fahrrad-Geek den Platz am Lenker, dort befinden sich das neueste GPS-Navis und zwei Handy-Halterungen. Für’s erste Handy hat er immer eine Powerbank dabei, damit die Strava-App auch jeden gefahrenen Meter dokumentiert. Auf dem zweiten Handy läuft Komoot. Die Luftpumpe des Fahrrad-Geeks verfügt über ein integrieres Manometer.

7. Der Philosoph

Auf allen Wegen anzutreffen ist der Philosoph. Er sitzt gelassen auf seinem Vintage-Bike, vorzugsweise einem Pedersen, und ist mit sich und der (Fahrrad-) Welt im Reinen. Aus der Ruhe zu bringen ist er nur dann, wenn die Vorräte in seinem Picknick-Korb zur Neige gehen.
Nicht ganz so gemächlich unterwegs wie der klassische Philosoph ist der junge, wilde Philosoph. Er bewegt sich im Frankfurter Bahnhofsviertel, bevorzugt das Fixie und liest zwischen den Fahrten Rimbaud und Nietzsche.

8. Der Tretharley-Rocker

Der Tretharley-Rocker ist auf Cruiser-Festivals heimisch. Er fährt ein Customized Bike mit selbst geschweißtem Stretch-Rahmen. In der Kurve berühren die Pedale seines Lowriders die Straße und schlagen Funken.
Faust-auf-Faust begrüßt der Rocker seine Kameraden im Ridaz-Club. Tipp für Beitrittswillige: Das Badge für die Kutte muss von einem Hangaround erst verdient werden. Schneller akzeptiert ist ein Chopperfahrer, der eine Black-Eight-Kugel als Ventilkappe oder Motörhead-Konzertkarten vorweisen kann. Und natürlich ist der Tretharley-Rocker trinkfest. 1,6 Promille kommen da schon mal zusammen.

9. Der Sportler

Vor allem auf der Landstraße anzutreffen ist der Sportler. Für ihn ist jede Fahrt eine Trainingsfahrt. Sein aerodynamisches, nicht ganz billiges Sportgerät wurde im Windkanal getestet und lässt sich mit zwei Fingern anheben. Mutig zeigt der Sportler bei der Auswahl seiner Kleidung. Man erkennt ihn auch ohne Fahrrad, denn er trägt sein Neontrikot und die zwei Nummern zu kleine, hautenge Radlerhose auch im Alltag. Seine Gelpolster-Handschuhe streift er schon vor dem Morgenkaffee über.

10. Der Discoradler

Der Discoradler, an der gelben Weste leicht identifizierbar, ist im urbanen Raum heimisch. Weitere Kennzeichen sind die USB-LED-Lichter vorne, hinten und am Kopf. Außerdem trägt er diverse Klettbänder und Reflektorstreifen. Beliebt ist der der Discoradler auf dem Cruise, der Sternfahrt und der Critical Mass. Dann aktiviert er nämlich den Blinkmodus und beschallt die Meute aus seiner Boombox mit Queen (Bicycle Race), Achim Reichel (Fahrrad fahr’n) und Max Raabe (Fahrrad fahr’n).

11. Der Aktivist

Der Aktivist ist in Nebenzimmern und Vereinsräumen zuhause. Er war damals schon dabei, 1979 in Bremen bei der ADFC-Gründung, und er hat am ersten Nationalen Radverkehrsplan mitgeschrieben. Heute ist er beim Radentscheid aktiv. Trotz Bedenken, wegen Datenschutz und Überwachung, hat er sich einen Computer zugelegt (mit Linux) und in Twitter und Slack eingefuchst. Unter freiem Himmel trifft man den Aktivisten am Rednerpult bei der Fahrraddemo und als menschliches Schutzschild bei Aktionen. Der Aktivist steht tapfer auf dem Radstreifen, um aggressive Autofahrer abzuhalten.

12. Der Spezialist

Der Spezialist ist je nach Gerät an unterschiedlichen Orten anzutreffen. Der Liegerradfahrer ist auf Touristenrouten heimisch, der Faltradfahrer in der Bahn und der Cargobikefahrer im Urban Jungle. Vorsicht ist bei Gesprächen mit Spezialisten geboten. Wer sich auf eine Diskussion über das beste Faltrad einlässt, lernt die Fanboys von Brompton bzw. Birdie schnell von ihrer militanten Seite kennen.

Der Vollständigkeit halber seien auch noch diese Fahrradhelden erwähnt: E-Biker, Bonanzaradler, Radpolo-Spieler, Tandemfahrer, Gravelbiker, Mountainbiker, Dirtbiker, Radballspieler, Kunstradfahrer, Bahnradfahrer, Triathleten, BMX-Radler, Downhiller, Steher und Klappradfahrer. Und Drama-Queen. Habe ich jemand vergessen?

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2 thoughts on “12 Radfahrer-Typen

  1. (1/3), 9, 11: hier finde ich mich wieder😅

    1. Ich versuche, mehr 7 zu werden, bleibe dann aber doch im 1-Stadium… 8 bin ich auch ab und zu, bei den Fulle Ridaz in Kassel. 😉

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