2030: Berlin ist autofrei

Berlin autofrei
Wir schreiben das Jahr 2030. Die Berlinerinnen und Berliner schnuppern autofreie Luft. 

Berlin 2030: Sanft surrt der Verkehr in der Fahrrad-Hauptstadt. Im Tiergarten mischt sich leises Rollen mit Vogelgesang. Ab und zu hört man ein Klingeln oder den tiefen Bass aus der Boombox eines Cruiserbikes, aber ansonsten ist das Leben sehr entspannt. Nur die Älteren erinnern sich noch an die Zeit, als die Stadt an der Spree für Autos freigegeben war. Doch mit Ausnahme einiger ADAC-Veteranen und CDU-Politiker möchte niemand das Rad wieder zurückdrehen. Selbst die FDP hat sich zur Fahrradpartei gewendet. Auf Wahlplakaten posiert Christian Lindner auf seinem Fatbike.

Berlins legendäre Bike-ins

Berliner Arbeiter und Geschäftsleute wissen die Bikes-Ins zu schätzen, die Schnellrestaurants mit Fahrradspuren. Konnopke, Curry 36 und Mustafas Gemüsekebap sind mit Fahrradtheken ausgestattet, damit die Gäste beim Genuss nicht vom Sattel müssen. Extrabreite Radtische sind das Markenzeichen vom Cafe Kranzler. Hier treffen sich die Reiferen, stark vertreten sind  Dreirad- und Rollator-Rider. Die Senior-Szene schlürft Kännchen-Kaffee und probiert die leckeren Kuchen. Ob jung oder alt – alle Berliner genießen den Luxus der Fahrradstadt.

Neuköllner Outlaw Bicycle Gangs

In Kreuzberg und Neukölln wird es am Abend unruhig, denn dann spielen Outlaw Bicycle Gangs mit der Polizei Katz und Maus. Wenn die Bierdeckel zwischen den Speichen der Lowrider wie ein Maschinengewehr knattern, dann markiert die berüchtigte Radposerszene ihr Revier. Frisierte Pedelecs rasen mit 35 km/h zwischen Hermannplatz und den Neukölln-Arcaden auf und ab. Verfolgt werden die Illegalen von sportlichen Polizeitandems. Wer dieses Schauspiel genießen möchte, schlendert einfach durch die Karl-Marx-Straße. Ein Theater braucht man in der Fahrradstadt nicht.

Der 1. Mai – ein Kindergeburtstag

Richtig ungemütlich wird es allerdings, wenn der Capital Ride angesagt ist und krawallbereite Chapter in die Hauptstadt cruisen. Dann verlassen die Hollandradler die Stadt und die Geschäftsleute verrammlen ihre Schaufenster. Die Banken heuern Sicherheitspersonal an, um sich vor Plünderungen zu schützen. Der Inhaber eines Szene-Cafes , der namentlich nicht genannt werden möchte: „Dagegen ist der 1. Mai ein Kindergeburtstag“. Dit is Berlin.

Mit dem Fahrrad zum Club

Vor den Szeneclubs wachen die Türsitzer auf ihren Bonanzarädern. Wer hier ohne Bike auftaucht, wird abgewiesen. Die Jungs mit den tätowierten Waden achten auf, dass keine Maserati-Weicheier auftauchen und die Mädels vom Dancefloor vergraulen. Insider greifen deshalb zu einem Trick: Mit der Radklammer am Hosenbein lassen die meisten Gorillas mit sich reden.

Szenetipps: Die Fixie-Community trifft sich am Kottbusser Tor oder im Görli Park. Sportlicher geht es dagegen auf der AVUS zu, der Paradestrecke der deutschen Radrennfahrer. Wer es nostalgisch mag, fährt zum Brandenburger Tor, wo die Pedersen-Pedalisten ihre nobeln Gefährte zur Schau stellen.
Zum Schluss noch ein Tipp für Schnäppchenjäger: An jedem Sonntag findet auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain der große Fahrrad-Flohmarkt statt.

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2 Gedanken zu „2030: Berlin ist autofrei

  1. Was für eine wunderbare Vorstellung! 😀

    1. Träumen ist erlaubt 🙂 Und wenn es nicht 2030 klappt, dann 2050!
      Liebe Grüße,
      Bernd Schmitt

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